Lindau im Bodensee


Lindau im Bodensee ist die große Kreisstadt und gleichzeitig Verwaltungssitz des gleichnamigen Landkreises im bayrischen Regierungsbezirk Schwaben.

Die Stadt liegt am östlichen Ufer des Bodensees im sogenannten Dreiländereck von Deutschland-Österreich-Schweiz und ist die südwestlichste Stadt des Freistaates Bayern.

 

Der Name Lindau kommt von "Linden Au", was eine von Lindenbäumen bewachsene Flusslandschaft bezeichnet.

 

Geografische Lage:

 

Die historische Altstadt liegt auf einer Insel mit ca. 0.7 km2 Fläche auf 401m ü NN im Bodensee und ist nur über einen Bahndamm sowie eine Brücke, die sogenannte Landtorbrücke, mit dem Festland verbunden.

 

Geschichte:

 

Urkundlich wurde Lindau selbst erstmals 882 von einem St. Galler Mönch erwähnt. Dieser bezog sich auf das Damenstift "Unserer Lieben Frau unter den Linden" bzw. auf dessen frühmittelalterlichen Vorgänger.

Das Damenstift wurde vermutlich von Graf Adalbert von Rätien aus der Familie der Burcharde um 900 gegründet.

Im Jahre 1079 erhielt Lindau das Marktrecht. Ursprünglich lag der Markt auf dem Festland und wurde während des Investiturstreits aus Sicherheitsgründen auf die Insel verlegt. Die Stadt selber ist später aus diesem Markt heraus hervorgegangen.

Zur damaligen Zeit wurde mit Wein, Edelobst, Gemüse sowie Flachs und Kuder (Hanf) aus den Anbauten des Klosters St. Gallen, welches für den Schiffsbau benötigt wurde, gehandelt.

Aus dem westlichen Allgäu und dem Bregenzer Wald wurde der Markt mit Schmalz, Käse und Vieh beschickt und die oberschwäbischen Bauern fuhren Getreide heran. Zu diesem Nahhandel gesellte sich bald auch der Fernhandel mit dem Süden.

 

Als ältestes Bauwerk auf der Lindauer Insel gilt die so genannte Heidenmauer, eine kolossale, blockförmige Befestigungsmauer in Richtung des Festlandes. Einer Tafel an der Mauer zufolge wird sie der Römerzeit und damit den zunächst heidnischen Romanen, Italikern oder Langobarden zugeordnet. Dies ist allerdings etwas umstritten da Arbeiten am Objekt Hinweise zu Tage gefördert haben, die das Bauwerk eher mittelalterlich, allenfalls frühmittelalterlich datiertieren.

 

Circa 1180 wurde die Pfarrkirche St. Stephan gebaut. 1224 gründeten Franziskaner ein Kloster, das Kanonissenstift, auf der Insel und Kaiser Rudolf I. verlieh der Stadt die Reichsfreiheit.

 

In historischer Zeit verkehrte der so genannte Mailänder Bote (Lindauer Bote) auf der Via Mala zwischen Lindau und Mailand.

Die durch den Handel und der Beförderung von Korn und Salz reich gewordene Bürgerschaft konnte 1275 endgültig die Rechte einer Freien Reichsstadt durchsetzen.

 

Neuzeit:

 

Im Zuge der Reformation wurde Lindau 1528 evangelisch. 

Während des 30-jährigen Krieges wurde Lindau 1646/47 von den Schweden belagert. Noch im 20. Jahrhundert konnte man Geschosse dieser Belagerung in den ehemaligen Gräben der Stadtmauer finden.

Nach dem 30-Jährigen Krieg kam es 1655 zum ersten Lindauer Kinderfest. Stifter war Valentin Heider, der damit nach landläufiger Meinung der verwahrlosten Lindauer Jugend wieder neue Perspektiven des Feierns und des Frohsinns aufzeigen wollte.

Neuere Studien zeigen allerdings, dass sich die 1655 eingeführten so genannten Schulpredigten in erster Linie nicht an die Kinder und Jugendlichen richteten, sondern an deren Eltern, die das Schulsystem der Stadt nicht akzeptierten und die Kinder vor Strafen der Lehrer und ähnlichem in Schutz nehmen wollten.

Noch heute wird dieses Fest alljährlich mit den unteren Klassen aller Schulen des Stadtgebiets gefeiert. Am Morgen kündigen Böllerschüsse das Fest an. Jedes Schulkind bekommt traditionell u.a. eine so genannte "Butschelle", ein kreisrundes Hefegebäck mit Weinbeeren und markantem grobem Gittermuster.

Die Festlichkeit wird mit einem Fahnen- und Girlandenumzug und großer Zusammenkunft auf der Nordseite des Lindauer Rathauses mit Ansprache der Stadtoberhäupter und kurzen Worten von Gastkindern aus den Partnergemeinden wie Chelles praktiziert. Immer wieder wird auch der dreimalige Ruf „Lindau“ mit jeweils der Antwort „Hoch“ unter den Teilnehmern wie auch im Publikum gerufen. Am Nachmittag geht der Festtag langsam in ein allgemeines dezentrales Volksfest in den jeweiligen Stadtteilen über.

Im Jahre 1728 verwüstet ein verheerender Stadtbrand die Altstadt, der Wiederaufbau erfolgt im zeitgemäßen Barockstil.

 

19. Jahrhundert:

 

Mit der Auflösung des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation verlor die Stadt im Jahre 1802 durch Napoleon ihre Reichsprivilegien und das tausendjährige Lindauer Damenstift wurde säkularisiert. Fürst Karl August von Bretzenheim übergab die Stadt und das Damenstift 1804 an Österreich. 1806 erfolgte die Rückgabe der Stadt durch Österreich und Angliederung an das Königreich Bayern.

1824 erfolgte die Anbindung an das Schifffahrtsnetz, 1853 an die Eisenbahnlinie in Richtung Augsburg durch den Eisenbahndamm und 1872 wurde die Anbindung Richtung Bregenz errichtet.

Im Jahr 1856 entstand der neue Hafen mit den Wahrzeichen Löwe und Leuchtturm, der übrigens der einzige in Bayern ist.

 

20. Jahrhundert:

 

1922 wurden unter Oberbürgermeister Ludwig Siebert die Orte Aeschach, Hoyren und Reutin des Festlandes als Stadtteile eingemeindet.

 

Gegen Ende des Zweiten Weltkrieges besetzten 1945 französische Truppen kampflos Lindau. Stadt- und Landkreis wurden als Teil der französischen Besatzungszone von Bayern abgetrennt und erhielten einen staatsrechtlichen Sonderstatus.

 

In der Nachkriegszeit regierten die französischen Besatzer Würtembergs, denn Bayern war amerikanisch besetzt.

1955 erfolgte die Wiedereingliederung in den Freistaat.